Das Théâtre de la Ville am Place du Châtelet, erbaut 1862 von Gabriel Davioud als Zwillingstheater gegenüber dem Théâtre du Châtelet, ist eines der prägenden Häuser des zeitgenössischen Pariser Theaters. Ursprünglich als Théâtre Lyrique eröffnet und später als Théâtre des Nations und Théâtre Sarah-Bernhardt bekannt, erlangte das Haus internationale Aufmerksamkeit durch die legendäre Intendanz Sarah Bernhardts von 1899 bis 1923, die die Bühne zur ihrer Hauptspielstätte machte. Nach einer kompletten Neugestaltung des Innenraums in den 1960ern unter der Leitung von Jean Mercure wurde die Bühne zu einem der wichtigsten Häuser für internationales Gastspiel-Theater und Tanz. Pina Bausch, Peter Brook, Robert Wilson, Mikhail Baryshnikov und Akram Khan haben hier über Jahrzehnte regelmäßig gastiert. Das Haus unterhält neben dem Stammhaus am Châtelet auch das Espace Pierre Cardin nahe der Champs-Élysées. Zwischen 2016 und 2024 war das Stammhaus für eine große Renovierung geschlossen; die Wiedereröffnung setzte das Haus als Zentrum internationaler Bühnenkunst neu.
Sarah Bernhardt leitete hier 24 Jahre lang das Haus und spielte bis kurz vor ihrem Tod 1923 auf dieser Bühne — sogar nach der Amputation ihres rechten Beins 1915 trat sie weiter auf, sitzend oder mit Prothese.
