Die Opéra Comique, offiziell Salle Favart genannt, ist eine der ältesten und bedeutendsten Musiktheaterinstitutionen Frankreichs. 1714 als Théâtre de la Foire gegründet, wurde sie 1807 durch Napoléon in einer königlichen Verfügung als eigenständige staatliche Institution etabliert. Das heutige Gebäude am Place Boieldieu ist das dritte Salle-Favart-Haus, 1898 im Neo-Renaissance-Stil nach einem verheerenden Brand des Vorgängerbaus errichtet. Die Opéra Comique hat eine unvergleichliche Uraufführungs-Tradition: Bizets Carmen (1875), Massenets Manon (1884) und Werther (1893), Debussys Pelléas et Mélisande (1902), Offenbachs Les Contes d'Hoffmann (1881) und Ravels L'Heure espagnole (1911) wurden alle hier uraufgeführt. Anders als die Opéra de Paris konzentriert sich die Salle Favart auf das französische Repertoire und das Musiktheater mit gesprochenen Dialogen — die namensgebende Opéra-comique-Tradition. Die Bühne ist mit 1.250 Sitzen kleiner als ihre Pariser Schwestern und wird für ihre außergewöhnliche Akustik gerühmt. Künstlerische Leitungen von John Eliot Gardiner über Jérôme Deschamps bis zu Louis Langrée haben das Haus als Labor für historisch informiertes französisches Musiktheater etabliert.
Bizets Carmen wurde hier 1875 uraufgeführt — das Publikum reagierte so empört auf die Titelfigur, dass Bizet drei Monate später an Krankheit und Erschöpfung starb, ohne den späteren Welterfolg zu erleben.
