Über das Werk
Historische Tragödie in fünf Akten von Alexei Konstantinowitsch Tolstoi, 1868/69 entstanden und im März 1870 in der Zeitschrift „Westnik Jewropy“ veröffentlicht. Die Zensurbehörde ließ das Stück im April 1870 zwar mit kleinen Kürzungen passieren, doch die Direktion der kaiserlichen Theater lehnte eine Aufführung ab; uraufgeführt wurde es erst 1881, sechs Jahre nach Tolstois Tod, am privaten Puschkin-Theater der Moskauer Theaterprinzipalin Anna Brenko.
Handlung
Zar Boris Godunow, der sich einst den Thron gegen alle Widerstände sicherte, regiert nun von Schuldgefühlen und Argwohn gezeichnet, während Hungersnot und das Misstrauen des Adels seine Herrschaft untergraben. Als Gerüchte um einen angeblich überlebenden Zarensohn die Runde machen, wächst die Bedrohung für Boris' Macht von allen Seiten. Am Ende bricht der Zar unter der Last seiner Schuld und der drohenden Verschwörungen zusammen.
Kulturelle Bedeutung
Als Abschluss der Trilogie um den russischen Herrschaftswechsel im 16./17. Jahrhundert zeichnet „Zar Boris“ ein bewusst kritisches Bild zaristischer Macht; dass ausgerechnet dieser dritte Teil trotz zensurbehördlicher Freigabe erst zehn Jahre später und dann nur an einer privaten Moskauer Bühne uraufgeführt wurde, zeigt, wie sehr die kaiserlichen Theater selbst vor der offenen Darstellung tödlicher Hofintrigen zurückscheuten.