Über das Werk
„Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ ist ein Stück des iranischen Dramatikers Nassim Soleimanpour für eine einzelne Spielerin oder einen einzelnen Spieler, 2010 auf Englisch geschrieben. Weil er den Wehrdienst verweigert hatte, bekam Soleimanpour damals keinen Pass und durfte Iran nicht verlassen – der Text sollte an seiner Stelle um die Welt reisen. Die Uraufführung fand 2011 zeitgleich beim Festival SummerWorks in Toronto und beim Edinburgh Festival Fringe statt; die deutsche Übersetzung stammt von Nico Laubisch.
Handlung
Das Stück kommt ohne Regie, Proben und Bühnenbild aus: An jedem Abend spielt eine andere Person, die den Text nie gelesen hat und das Manuskript erst vor Publikum aus einem versiegelten Umschlag nimmt. Durch sie spricht der abwesende Autor direkt in den Saal, erzählt von sich und seinem Land, verteilt Aufgaben und holt Leute aus dem Publikum auf die Bühne. Zwischen Tierimitationen und der Fabel von einem Kaninchen, das in einen Zirkus aufgenommen werden will, rücken Gehorsam, Anpassung und die Frage nach Verantwortung immer näher; auf dem Tisch stehen zwei Gläser Wasser.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und über 3.000-mal gespielt, unter anderem von Whoopi Goldberg, Nathan Lane, John Hurt und Ken Loach; 2016 lief es Off-Broadway im New Yorker Westside Theatre, 2024 im Londoner West End. 2011 erhielt es beim Festival SummerWorks den Preis für den besten neuen Performancetext und in Edinburgh den Arches Brick Award.
