Über das Werk
„spinne“ ist ein Monolog der Autorin Maja Zade, leitende Dramaturgin der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz. Die Uraufführung am 20. Juni 2024 im Globe der Schaubühne inszenierte Zade selbst, es war ihre erste Regiearbeit; Caroline Peters spielte die Hauptfigur und verkörperte zugleich alle übrigen Figuren. Der Abend dauert rund anderthalb Stunden.
Handlung
Julia ist Mitte vierzig, arbeitet schlecht bezahlt als Übersetzerin und Lektorin und lebt im Berliner Wedding. Als laute Musik aus der Nachbarwohnung sie eines Nachts wach hält, denkt sie an Kris, ihren engsten Freund aus Kindheit und Jugend in Bremen, den sie seit über dreißig Jahren nicht gesehen hat. Sie findet ihn im Netz wieder: Aus dem einstigen Mitstreiter in anarchistischen Jugendjahren ist ein wohlhabender Anwalt mit Familie und Eigentum geworden, der mit der AfD sympathisiert. Ein gemeinsames Abendessen mit seiner Frau und seinem Sohn wird zur Probe, ob eine Freundschaft über gegensätzliche politische Überzeugungen hinweg bestehen kann.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück fragt, wie Herkunft, Milieu und Erfahrungen politische Haltungen prägen und ob ein echtes Gespräch über solche Gräben hinweg noch möglich ist. Die Kritik lobte einhellig Caroline Peters, bewertete den Text aber unterschiedlich: Manche schätzten seine Andeutungen und Auslassungen, andere fanden die politische Auseinandersetzung in der zweiten Hälfte zu schlagwortartig.