Über das Werk
Tragödie in Versen von Gian Giorgio Trissino, verfasst 1514/15 und 1524 erstmals im Druck erschienen. Uraufgeführt wurde sie erst 1556, sechs Jahre nach Trissinos Tod, am französischen Königshof in Blois – in einer binnen wenigen Tagen angefertigten Übersetzung von Mellin de Saint-Gelais, aufgeführt von jungen Prinzessinnen im Auftrag Katharinas von Medici. Erst 1562, während des Karnevals von Vicenza, folgte die erste Aufführung im italienischen Original, in einem eigens von Andrea Palladio entworfenen Theaterbau.
Handlung
Nach der Niederlage ihres Gemahls, des numidischen Königs Syphax, gegen die mit Rom verbündeten Truppen des Massinissa gerät Sofonisba in Gefangenschaft. Massinissa, der einst selbst um sie geworben hatte, heiratet sie, um sie vor der Auslieferung an Rom zu schützen – doch der römische Feldherr Scipio verbietet die Verbindung. Um der Gefangenschaft in Rom zu entgehen, nimmt sich Sofonisba mit Gift das Leben.
Kulturelle Bedeutung
Trissino orientierte sich streng an der antiken griechischen Tragödie – mit Chor, Einheit von Zeit und Ort und ungereimtem Elfsilbler statt Reimvers – und gilt damit als Schöpfer der ersten „regelmäßigen“ Tragödie der neueren europäischen Literatur. Das Werk prägte die Renaissance-Tragödie in Italien und Frankreich; die Vicentiner Aufführung von 1562 gilt zudem als Vorstufe zu Palladios späterem Teatro Olimpico.