Über das Werk
Futuristische Oper, im Kollektiv der russischen Avantgarde-Künstler Alexei Krutschonych (Libretto), Welimir Chlebnikow (Prolog), Michail Matjuschin (Musik) und Kasimir Malewitsch (Bühnenbild, Kostüme, Lichtregie) entstanden. Die Idee entstand im Juli 1913 auf dem „Ersten Allrussischen Kongress der Futuristen“ auf Matjuschins Datscha bei Uusikirkko; die einzigen Aufführungen fanden am 3. und 5. Dezember 1913 im Lunapark-Theater von Sankt Petersburg statt.
Handlung
Ein Reisender durch alle Zeiten berichtet von einer futuristischen Welt des 35. Jahrhunderts, in der Kämpfer die Sonne einfangen und besiegen, um die alte, romantische Vorstellung von Schönheit und Vernunft zu stürzen. Der zweite Akt zeigt die sonnenlose Gesellschaft danach, in der die gewonnene Freiheit eher Verwirrung als Erlösung bringt. Krutschonychs Text ist großteils in „Saum“ verfasst, einer lautbasierten Kunstsprache jenseits fester Wortbedeutung.
Kulturelle Bedeutung
Die Aufführungen lösten einen der größten Theaterskandale ihrer Zeit aus. Malewitschs Bühnenvorhang mit einem diagonal in Schwarz und Weiß geteilten Quadrat gilt als erste Fassung seines Gemäldes „Schwarzes Quadrat“ (1915); er datierte den Ursprung des Suprematismus später auf diese Ausstattung zurück. Das Werk zählt zu den frühesten Versuchen eines Gesamtkunstwerks, das Malerei, Musik und Sprache radikal von Abbildung und Bedeutung löst.
