Über das Werk
„Sauhund“ ist der erste Roman des 1994 in Bad Tölz geborenen Schriftstellers Lion Christ. Er erschien im August 2023 im Carl Hanser Verlag; für die Arbeit daran hatte Christ 2021 das Münchner Literaturstipendium erhalten und unter anderem im Forum Queeres Archiv München recherchiert. Die Bühnenfassung erarbeitete Regisseur Florian Fischer mit Tobias Schuster und dem Ensemble; uraufgeführt wurde sie am 5. Juni 2025 an den Münchner Kammerspielen, wo sich drei Darsteller:innen sämtliche Rollen teilten.
Handlung
1983 hat der 21-jährige Flori seinen Zivildienst hinter sich und kehrt der oberbayerischen Provinz den Rücken, wo er die Beziehung zum Schreiner Gregor geheim halten musste. In München stürzt er sich in die schwule Szene mit ihren Bars, Diskotheken und Travestielokalen, sucht Glanz, Abenteuer und die große Liebe und landet zeitweise ohne Bleibe auf der Straße, bis ihn ältere Freunde aufnehmen. Im Hintergrund breitet sich Aids aus, und der Freistaat Bayern reagiert unter Staatssekretär Peter Gauweiler mit besonders harten Maßnahmen; später verliebt sich Flori in einen HIV-positiven Mann.
Kulturelle Bedeutung
Christ versteht den Roman als Erinnerung an das queere München der ersten Aids-Jahre, das er zugleich als lebenslustige Gegenwelt zeigt. Erzählt wird aus Floris Sicht, in einer Sprache, die bairischen Dialekt mit bildreichen Vergleichen mischt. Die Buchkritik urteilte gespalten: Die NZZ lobte die einfühlsame Genauigkeit, die Süddeutsche Zeitung hielt Dialekt und ironische Distanz für wenig überzeugend; die Uraufführung der Bühnenfassung fand in der Münchner Presse dagegen überwiegend Zustimmung.