Über das Werk
Politian ist Edgar Allan Poes einziger Versuch an einem Bühnenstück: eine unvollendet gebliebene Tragödie in Blankversen, die er 1835 während seiner Zeit als Redakteur des Southern Literary Messenger in Richmond verfasste. Die erhaltenen Szenen erschienen 1835/36 zunächst anonym als „Scenes from an Unpublished Drama“ im Southern Literary Messenger; den vollständigen Text seines Fragments veröffentlichte Poe erst 1845 im Anhang seines Gedichtbands „The Raven and Other Poems“. Als Vorlage diente ihm die sogenannte Kentucky-Tragödie von 1825, die Poe von Kentucky ins Rom des 16. Jahrhunderts verlegte.
Handlung
In Rom verliebt sich der englische Graf Politian in Lalage, das entehrte Mündel des Herzogs di Broglio, die von dessen Sohn Castiglione verführt und dann zugunsten einer standesgemäßen Verlobung verlassen wurde. Als Lalage ihm gesteht, dass Castiglione noch lebt, schwört Politian Rache und fordert ihn zum Duell. Das Fragment bricht nachts im Kolosseum ab, wo Politian auf seinen Gegner wartet, während Lalage sich an ihren eigenen Racheschwur erinnert – ob das Duell noch stattfindet, bleibt durch das unvollendete Manuskript offen.
Kulturelle Bedeutung
Nach der verhaltenen Aufnahme der veröffentlichten Szenen wandte sich Poe endgültig von Versdramen ab und konzentrierte sich fortan auf die Kurzgeschichte. Den vollständigen, aus Poes Manuskript rekonstruierten Text gab erst der Poe-Forscher Thomas Ollive Mabbott 1923 heraus; die erste Bühnenaufführung von Poes eigenem Text fand am 19. Januar 1933 durch die Virginia Players der University of Virginia statt.