Über das Werk
„Ismene, Schwester von“ ist ein Monolog für eine Darstellerin von der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans; der Originaltitel lautet „Zus van“, und der Bühnenverlag führt die deutsche Übersetzung von Eva M. Pieper als „Schwester von“. Uraufgeführt wurde das Stück am 7. Januar 2005 in der Toneelschuur Haarlem, produziert von der Stiftung MAM gemeinsam mit dem Publiekstheater Gent, in der Regie von Allan Zipson und mit Elsie de Brauw. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte am 22. Oktober 2010 in Konstanz, als Doppelabend mit Sophokles’ „Antigone“.
Handlung
Ismene, Tochter von Ödipus und Iokaste und Schwester der Antigone, bricht nach fast dreitausend Jahren ihr Schweigen und wendet sich direkt an das Publikum, um ihre Geschichte zum ersten Mal selbst zu erzählen. Sie blickt zurück auf eine Familie, die von Inzest und Machtkämpfen gezeichnet ist, auf die verfeindeten Brüder Eteokles und Polyneikes und auf die Herrschaft ihres Onkels Kreon. Im Zentrum steht ihre Entscheidung, sich dem Widerstand der Schwester nicht anzuschließen: Ismene hat überlebt, bleibt aber die unscheinbare Nebenfigur neben der berühmten Heldin und ringt mit Schuld, Scham und der Frage, was ein Leben ohne große Tat wert ist.
Kulturelle Bedeutung
Für „Zus van“ und „Truckstop“ erhielt Lot Vekemans 2005 den Van-der-Vies-Preis, Elsie de Brauw wurde für die Rolle der Ismene für den Theo d’Or nominiert. Der Monolog gilt als weltweiter Bühnenerfolg und wird auch im deutschsprachigen Raum an mehreren Theatern gespielt. Als Vekemans 2016 den Ludwig-Mülheims-Theaterpreis erhielt, würdigte die Jury besonders ihre Figuren im Schatten großer Held:innen, darunter Ismene.