Über das Werk
Helena ist eine Tragödie des Euripides, uraufgeführt 412 v. Chr. bei den Dionysien in Athen als Teil einer Tetralogie mit der heute verlorenen Andromeda. Statt der geläufigen Sage lässt Euripides nur ein von Hera geschaffenes Trugbild Helenas mit Paris nach Troja ziehen, während die wirkliche Helena von Hermes nach Ägypten gebracht wird – ein Motiv, das der Dichter von Stesichoros übernimmt und mit der ägyptischen Rahmenhandlung des Historikers Herodot verbindet.
Handlung
Siebzehn Jahre wartet Helena am ägyptischen Königshof, zunächst unter dem Schutz des toten Königs Proteus, dann bedrängt von dessen Sohn Theoklymenos, der sie zur Heirat zwingen will. Als der schiffbrüchige Menelaos an Land gespült wird, erkennen sich die Eheleute erst, nachdem sich das Trugbild in Luft aufgelöst hat. Mit einer vorgetäuschten Trauerfeier für den angeblich ertrunkenen Menelaos verschaffen sie sich ein Schiff und entkommen gemeinsam nach Sparta.
Kulturelle Bedeutung
Schon ein Jahr später griff Aristophanes das Stück in den Thesmophoriazusen als „die neue Helena“ auf und machte sich über dessen Kunstgriffe lustig. Kindlers Literaturlexikon sieht in der Helena, in der die Glücksgöttin Tyche über die Handelnden entscheidet, einen Vorboten hellenistischer Empfindsamkeit; der Stoff wirkte bis in Komödie und Roman der hellenistischen Zeit nach.