Über das Werk
Henrik Ibsen schrieb Gespenster 1881 in Rom; das Stück erschien im Dezember desselben Jahres in Kopenhagen in einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Weil sämtliche großen Bühnen Skandinaviens die Aufführung ablehnten, fand die Uraufführung fernab der Heimat statt: am 20. Mai 1882 im Vorstadtsaal Aurora Turner Hall in Chicago, gespielt von dänisch-norwegischen Einwanderern. Die europäische Erstaufführung folgte erst im August 1883 in Helsingborg unter August Lindberg.
Handlung
Die verwitwete Frau Alving hat den Ruf ihres in Wahrheit haltlosen Mannes jahrelang mit dem Bau eines Waisenhauses reingewaschen. Als ihr Sohn Osvald aus Paris heimkehrt, zeigt sich, dass er die ererbte Krankheit des Vaters in sich trägt. Die Hausangestellte Regine, insgeheim seine Halbschwester, verlässt ihn entsetzt, als sie davon erfährt. Am Ende steht Frau Alving vor der Entscheidung, ihrem sterbenden Sohn den erbetenen letzten Dienst zu erweisen.
Kulturelle Bedeutung
Die Uraufführung löste einen der größten Theaterskandale des 19. Jahrhunderts aus: Kritiker warfen dem Stück Tabubrüche wie Vererbung, Inzest und freie Liebe vor, unverkaufte Exemplare gingen an den Verlag zurück. Nach seiner Berliner Aufführung 1887 inspirierte Gespenster Autoren wie Gerhart Hauptmann und gilt seither als eines der Gründungsstücke des modernen naturalistischen Theaters.
