Über das Werk
„Fake Jews“ ist ein autofiktionaler Monolog von Noam Brusilovsky, der den Text verfasste und die Uraufführung auch inszenierte. Premiere war am 29. Januar 2026 in der Box des Deutschen Theaters Berlin, als Soloabend für Moritz Kienemann. Zwischen die gespielten Szenen schneidet der Abend Interviews, in denen Zeitzeug:innen und Fachleute von vergleichbaren realen Fällen berichten.
Handlung
Ein Ich-Erzähler gibt sich als Jude aus, gewinnt dadurch Ansehen und tritt als scharfzüngiger Kritiker der deutschen Mehrheitsgesellschaft auf, bis seine Täuschung auffliegt. An seiner Seite steht ein befreundeter nichtjüdischer Schauspieler, der sich ausgerechnet auf jüdische Rollen festgelegt hat; beide Figuren und weitere Nebenfiguren spielt derselbe Darsteller. Satirische Episoden, etwa ein Besuch auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee mit einer Geste, die an Willy Brandts Kniefall erinnert, weichen im Verlauf einem zunehmend ernsten Blick auf die Erinnerung an den Holocaust.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück bezieht sich auf reale Fälle erfundener jüdischer Biografien, darunter den des Journalisten Fabian Wolff und der Bloggerin Marie Sophie Hingst, und auf den nach Binjamin Wilkomirski benannten Begriff des Wilkomirski-Syndroms. Damit stellt es die Frage, warum solche Hochstapeleien in der deutschen Gedenkkultur oft lange unwidersprochen bleiben. Kritiken in taz, nachtkritik.de und Jüdischer Allgemeiner lobten die Verbindung von Witz und genauer Gesellschaftsbeobachtung.