Über das Werk
Fünfaktiges Drama von Lew Tolstoi, das er 1886 während seiner Wende zu einer radikal religiös-ethischen Weltsicht schrieb. Wegen der schonungslosen Schilderung von Verführung, Mord und Kindstötung verbot die russische Zensur die Aufführung; erst am 5. Dezember 1902 kam das Stück am Moskauer Künstlertheater unter Konstantin Stanislawski zur Uraufführung.
Handlung
Der Landarbeiter Nikita verführt die Waise Marina, verlässt sie jedoch für Anisja, die Frau seines Dienstherrn. Anisja vergiftet ihren Mann, um Nikita heiraten zu können; später macht dieser ihre Tochter aus erster Ehe schwanger und tötet, von den Frauen gedrängt, das neugeborene Kind. Am Hochzeitstag seiner Stieftochter bricht Nikita unter der Last seiner Schuld zusammen und gesteht die Taten öffentlich.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück gilt als schonungslose Studie darüber, wie moralischer Verfall eine dörfliche Gemeinschaft durchdringt, und als eines der schärfsten Gesellschaftsdramen Tolstois. Spätere Inszenierungen wie Erwin Piscators politisches Theaterexperiment 1923 in Berlin machten es auch international zu einem vielgespielten Klassiker des russischen Realismus.