Über das Werk
Antikriegsdrama von Karl Kraus in einem Vorspiel, fünf Akten und einem Epilog mit über 200 Szenen, das der Autor zwischen 1915 und 1922 aus Zeitungsmeldungen, Amtsdeutsch und eigenen Dialogen montierte; die Buchausgabe erschien 1922. Kraus hielt das vollständige Werk für unspielbar und erstellte 1929/30 eine gekürzte Bühnenfassung, die er selbst nur für Vorlesungen nutzte; die szenische Uraufführung erfolgte erst posthum am 14. Juni 1964 bei den Wiener Festwochen im Theater an der Wien, in einer Bearbeitung von Heinrich Fischer unter der Regie Leopold Lindtbergs.
Handlung
Das Drama montiert Hunderte kurzer Szenen zu einem Panorama der österreichischen Kriegsgesellschaft: Kriegsgewinnler, Journalisten, Offiziere und Zivilisten sprechen fast durchgehend in dokumentarisch übernommenen Wendungen aus Zeitungen, Reden und Verordnungen. Als Kommentator und Gewissen des Stücks tritt immer wieder der „Nörgler" auf, der die Selbstzerstörung der Gesellschaft durch hohle Sprache und Kriegsbegeisterung seziert. Der Epilog lässt das Zeitgeschehen in eine apokalyptische Vision münden.
Kulturelle Bedeutung
Kraus' Sprachkritik – die Überzeugung, dass verlogene Phrasen den Krieg mit vorbereiteten – machte das Werk zu einem Schlüsseltext der literarischen Verarbeitung des Ersten Weltkriegs. Bis heute gilt es wegen seines dokumentarischen Materials und seiner schieren Länge als eines der ambitioniertesten, kaum vollständig aufführbaren Theaterstücke der deutschsprachigen Literatur.