Über das Werk
„Der rote Wal – Ein deutsches Herbstmärchen“ ist eine Oper der Brüder Vivan und Ketan Bhatti auf ein Libretto von Markus Winter, der als Rapper unter dem Namen Maeckes bekannt ist; die Geschichte entwickelte Winter zusammen mit dem Regisseur Martin G. Berger. Das Auftragswerk der Staatstheater Stuttgart wurde am 18. Juni 2025 im Stuttgarter Opernhaus uraufgeführt, in Bergers Regie und unter der musikalischen Leitung von Marit Strindlund. Die Partitur kombiniert Orchester, Chor und Opernstimmen mit drei Rappern, E-Gitarre, Synthesizer, präpariertem Klavier und Zuspielungen und nimmt Rock, Jazz und Musical auf.
Handlung
Eine Schulklasse sieht sich eine Oper über die RAF an, und die Schülerin Isi wird dabei eins mit der Orca-Dame Gladis, die die Menschen für die Zerstörung der Meere büßen lassen will. Der Tech-Milliardär Lone bietet ihr 24 Stunden in Menschengestalt an und verlangt dafür eine ihrer Flossen. Als junge Frau gerät sie in Stuttgart in Proteste und an die Untergrundkämpfer Abad und Ge, in denen Andreas Baader und Gudrun Ensslin durchscheinen, und macht bei einem Anschlag auf das Aquarium eines Luxusrestaurants mit. Am Ende sagt sie sich von ihren Mitstreitern los und ruft den Leviathan an.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück verschränkt den Deutschen Herbst 1977 und den Stammheimer Prozess, auch über Tonaufnahmen aus den 1970er-Jahren, mit heutigen Protestformen und stellt die Frage, wo Widerstand in Gewalt umschlägt; es spielt dabei auf Melvilles „Moby-Dick“, Meerjungfrauen-Märchen und Hobbes' „Leviathan“ an. Das Premierenpublikum in Stuttgart reagierte mit stehenden Ovationen, die Kritik fiel gemischter aus: Die Deutsche Bühne erkannte handwerkliches Können an, hielt die Sprache aber für banal und vermisste Tiefe. 2027 bringt das Theater Bielefeld die Oper in einer eigenen Inszenierung heraus.