Über das Werk
„Antigone. Der Abschied“ ist der deutschsprachige Titel von „The Other Place“, einem Stück des britischen Autors und Regisseurs Alexander Zeldin, das Sophokles’ „Antigone“ in eine Familie der Gegenwart verlegt. Zeldin inszenierte die Uraufführung selbst; sie kam am 27. September 2024 im Lyttelton Theatre des National Theatre in London heraus, entstanden in Zusammenarbeit mit seiner Compagnie A Zeldin Company. Das gut einstündige Kammerspiel wahrt die klassische Einheit von Ort, Zeit und Handlung.
Handlung
Chris hat das Haus seines verstorbenen Bruders Adam übernommen, lässt es renovieren und will dort mit seiner neuen Frau Erica neu anfangen; auch Adams jüngere Tochter Issy wohnt bei ihnen. Adams Asche steht seit Jahren in einer Urne, und Chris will sie nun endlich verstreuen, damit die Familie abschließen kann. Die ältere Tochter Annie kehrt nach langer Abwesenheit zurück und stellt sich dagegen: Wie Antigone gegenüber Kreon fordert sie Gerechtigkeit für den Toten. Im Streit brechen lange verschwiegene Verletzungen der Familie auf, und das Wiedersehen endet tragisch.
Kulturelle Bedeutung
Die Londoner Kritik besprach die Uraufführung mit Emma D’Arcy als Annie und Tobias Menzies als Chris als naturalistische Neudeutung des antiken Stoffs, die leise beginnt und in einer schockierenden Enthüllung gipfelt. Im September 2026 gastierte die englischsprachige Produktion beim Festival d’Automne à Paris im Théâtre de la Ville; zu den Koproduzenten zählen auch die Théâtres de la Ville de Luxembourg und die Comédie de Genève.