Über das Werk
„Anarchie in Bayern“ ist ein Stück von Rainer Werner Fassbinder aus der Zeit des Münchner antiteaters, der Theatergruppe, die er im Mai 1968 unter anderem mit Peer Raben gegründet hatte. Die Uraufführung fand am 14. Juni 1969 in München statt; Regie führten Fassbinder und Raben, und neben Fassbinder selbst spielten Ensemblemitglieder wie Kurt Raab, Irm Hermann, Ingrid Caven und Hans Hirschmüller. Das Stück gehört zu den ersten vier, die Fassbinder im Juli 1969 beim Verlag der Autoren unter Vertrag gab; eine feste Besetzungsgröße schreibt es nicht vor.
Handlung
Das Stück entwirft eine Zukunft, in der junge Revolutionäre in Bayern gesiegt und einen sozialistisch-anarchistischen Staat ausgerufen haben. Nach einer Phase der Anarchie wird das militärisch ungeschützte Land wieder besetzt: Am Schluss rücken amerikanische Truppen ein und „befreien“ die verängstigten Bürger. Statt einer fortlaufenden Handlung reiht Fassbinder kabarettistische Nummern und revueartig montierte Szenen aneinander.
Kulturelle Bedeutung
Das antiteater bezeichnete das Stück als naive Science-Fiction, die sich gegen eine überstürzte Revolution wendet und für einen langen Weg plädiert, der zuerst das Bewusstsein von Revolutionären und Bürgern verändert. Als grelle Satire auf das deutsche Unvermögen zur Revolution steht es neben „Preparadise sorry now“, „Werwolf“ und „Blut am Hals der Katze“ in einer Reihe von Fassbinder-Stücken, die gesellschaftliche Mechanismen und Machtverhältnisse des Alltags modellhaft vorführen.