Über das Werk
Sonntag aus Licht ist die zuletzt komponierte der sieben Opern in Karlheinz Stockhausens Zyklus Licht – Die sieben Tage der Woche, entstanden 1998–2003. Ihre szenische Uraufführung am 9. April 2011 an der Oper Köln war posthum, mehr als drei Jahre nach dem Tod des Komponisten. Der Sonntag ist der Tag der mystischen Vereinigung von Eva und Michael, aus der das neue Leben des Montags hervorgeht – „so gibt es weder Ende noch Anfang der Woche; sie ist eine ewige Spirale".
Handlung
Die Oper umfasst fünf Szenen und einen Abschied. „Lichter-Wasser" lässt Sopran und Tenor (Eva und Michael) zusammen mit einem im Raum verteilten Orchester einen kosmischen Dialog führen. „Engel-Prozessionen" ist eine vielsprachige A-cappella-Szene wandelnder Chöre. In „Licht-Bilder" verschmelzen Trompete, Bassetthorn, Flöte und Synthesizer zu durchscheinenden Klangbildern. „Düfte – Zeichen" verbindet die Wochentage mit sieben Düften und Farben, getragen von sieben Sängern, einem Knaben und elektronischer Musik. „Hoch-Zeiten" schließlich wird gleichzeitig in zwei Sälen aufgeführt – von Chor und von Orchester –, die einander im Wechsel zuhören und so die festliche Vermählung feiern.
Kulturelle Bedeutung
Sonntag aus Licht krönt und beschließt das gewaltigste Opernunternehmen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Als Fest der Harmonie und der Vereinigung bildet der Sonntag das gedankliche Ziel des Zyklus, der dennoch keinen Schlusspunkt kennt, sondern in einer ewigen Spirale zum Montag zurückkehrt. Szenen wie „Düfte – Zeichen", in denen sogar Gerüche zum kompositorischen Material werden, oder das zweichörige „Hoch-Zeiten" zeigen Stockhausens Synästhesie und Raumdenken in äußerster Konsequenz. Wie der ganze Zyklus entfaltet sich der Sonntag vollständig aus der Superformel der drei Urgestalten.
