Über das Werk
Jean-Marie Leclairs „Scylla et Glaucus" wurde 1746 an der Pariser Académie Royale de Musique uraufgeführt. Es ist die einzige Oper des berühmten französischen Barockgeigers und -komponisten, eine „tragédie en musique" nach einem Stoff aus Ovids „Metamorphosen". Das Werk besticht durch seine glanzvolle Instrumentation und seine ausgedehnten Tanzszenen.
Handlung
Der Meeresgott Glaucus liebt die Nymphe Scylla, die seine Werbung lange zurückweist. Auf der Suche nach einem Mittel, ihr Herz zu gewinnen, wendet sich Glaucus an die mächtige Zauberin Circe. Doch Circe entbrennt selbst in Leidenschaft für Glaucus und versucht mit allen Künsten, ihn an sich zu binden. Als Scylla die Liebe des Glaucus schließlich erwidert und Glaucus Circe verschmäht, schlägt deren Liebe in rasende Eifersucht um. Aus Rache vergiftet die Zauberin die Quelle, in der Scylla badet, und verwandelt die Geliebte des Glaucus in ein Ungeheuer — jene Felsenklippe, die fortan den Seefahrern zur Gefahr wird. Glaucus bleibt untröstlich zurück. Chöre, Götter und allegorische Figuren rahmen die Handlung in der prunkvollen Form der französischen Tragödie.
Kulturelle Bedeutung
„Scylla et Glaucus" ist das einzige Bühnenwerk Leclairs, der vor allem als einer der bedeutendsten Geiger und Violinkomponisten seiner Zeit gilt. Die Oper geriet nach wenigen Aufführungen lange in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Heute gilt sie als ein Höhepunkt der französischen Barockoper zwischen Lully und Rameau und wird von Spezialensembles der historischen Aufführungspraxis gepflegt.
