Über das Werk
Giuseppe Verdis Tragödie in vier Akten mit einem Libretto von Arrigo Boito nach Shakespeares „Othello" wurde am 5. Februar 1887 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Die Oper beendete Verdis fünfzehnjähriges Opernschweigen nach Aida und gilt als Gipfel der italienischen tragischen Oper. Verdi war bei der Premiere dreiundsiebzig Jahre alt; er sollte nur noch ein weiteres Werk schreiben, die Komödie Falstaff, bevor er sich zur Ruhe setzte.
Handlung
Auf der venezianisch beherrschten Insel Zypern kehrt der maurische Feldherr Otello siegreich aus der Schlacht zurück und umarmt seine geliebte Frau Desdemona. Sein Fähnrich Jago, bei einer Beförderung übergangen und von rassistischem Ressentiment zerfressen, sinnt auf ihren Untergang. Er manipuliert Otello, bis dieser glaubt, Desdemona betrüge ihn mit dem Offizier Cassio; ein Taschentuch dient als falscher Beweis. Otellos Wut steigert sich durch eifersüchtige Konfrontationen, bis er im letzten Akt Desdemona in ihrem Bett erstickt. Jagos Frau Emilia deckt die Intrige auf; Otello ersticht sich neben seiner toten Frau und küsst sie ein letztes Mal.
Kulturelle Bedeutung
Otello stellt den Gipfel der italienischen Opernkomposition dar und ist das Werk, mit dem Verdi dem durchkomponierten Musikdrama Wagners am nächsten kam, ohne doch die italienische Melodietradition zu verlassen. Das Liebesduett im ersten Akt zählt zum Erhabensten, was Verdi je schrieb. Die Titelpartie gehört zu den gefürchtetsten des Tenorrepertoires und verlangt über vier Akte enorme Ausdauer und die Fähigkeit zu lyrischer Zärtlichkeit ebenso wie zu dramatischer Gewalt. Große Otellos waren selten – Plácido Domingo und Jon Vickers haben die moderne Tradition geprägt.
