Über das Werk
Henrik Ibsens „Et dukkehjem" („Nora oder Ein Puppenheim") wurde 1879 in Kopenhagen uraufgeführt und gehört zu den wichtigsten Werken des modernen Dramas. Mit Noras berühmtem Schluss-Türenschlag stieß Ibsen die Tür zur Frauenfrage und zur Modernität auf — das Stück löste in ganz Europa Skandale aus.
Handlung
Christiania (Oslo) zur Weihnachtszeit. Nora Helmer lebt in scheinbar glücklicher bürgerlicher Ehe mit ihrem Mann Torvald, der eben zum Bankdirektor befördert wurde. Doch Nora hat ein Geheimnis: Vor Jahren, als Torvald lebensgefährlich krank war, hat sie heimlich Geld für eine Italienreise aufgenommen — bei Krogstad, einem entlassenen Bankangestellten — und dafür unter dem Namen ihres bereits toten Vaters unterschrieben. Krogstad, von Torvald entlassen, droht nun mit der Aufdeckung. Nora versucht verzweifelt, Torvald zur Wiederanstellung Krogstads zu bewegen. Krogstad legt schließlich einen anklagenden Brief in den Briefkasten. Torvald liest ihn und reagiert mit Wut, Beschimpfungen, dem Wunsch, Nora für die Außenwelt formal zu erhalten, ihrer aber den Zugang zu den Kindern zu verbieten. Da kommt ein zweiter Brief: Krogstad gibt das Schuldscheinpapier zurück. Torvald jubelt: „Ich bin gerettet!" Nora durchschaut in dem Moment ihr Leben — sie ist nie ein eigenständiger Mensch gewesen, sondern „Puppe" für Vater und Mann. Sie verlässt Mann und Kinder, schlägt die Tür hinter sich zu.
Kulturelle Bedeutung
Noras Türenschlag ist „der Schuss, der um die Welt gehört wurde" — der wohl berühmteste Schlussabgang der Theatergeschichte. „Ein Puppenheim" wurde zum Manifest der Frauenbewegung und zum Modell des modernen Diskussionsdramas. Bemerkenswert: Ibsen verfasste auf Druck deutscher Theater eine alternative „milde" Schlussszene, in der Nora bleibt — er nannte sie selbst eine „Barbarei". Heute auf Bühnen weltweit; Inszenierungen von Ingmar Bergman, Thomas Ostermeier, Yael Farber zählen zu Referenzen.
