Über das Werk
Nabucco ist eine Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi, die am 9. März 1842 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde und dem 28-jährigen Komponisten den Durchbruch brachte. Verdi befand sich zuvor in einer tiefen Krise: Seine Frau und seine beiden kleinen Kinder waren innerhalb weniger Jahre gestorben, und seine vorige Oper „Un giorno di regno" war ein Misserfolg. Das Libretto von Temistocle Solera nach der babylonischen Gefangenschaft der Juden riss ihn aus seiner Verzweiflung und begründete die Tonsprache, die das italienische Musiktheater für ein halbes Jahrhundert prägen sollte.
Handlung
Im biblischen Babylon hat König Nabucco (Nebukadnezar) Jerusalem erobert und das Volk der Hebräer in die Gefangenschaft verschleppt. Seine vermeintliche Tochter Abigaille entdeckt, dass sie in Wahrheit die Tochter einer Sklavin ist, und greift nach der Macht. Als Nabucco sich im Tempel selbst zum Gott erklärt, trifft ihn ein Blitz und raubt ihm den Verstand; Abigaille reißt die Herrschaft an sich und ordnet die Hinrichtung der Gefangenen an. In der Gefangenschaft führt der Prophet Zaccaria die Verbannten im Gebet. Nabucco findet durch ein Gebet zum Gott der Hebräer seinen Verstand wieder, gewinnt den Thron zurück, befreit die Gefangenen und lässt das Götzenbild Baals zerstören. Abigaille nimmt sich, von Reue getrieben, das Leben.
Kulturelle Bedeutung
Nabucco ist das Gründungswerk von Verdis Laufbahn und enthält mit „Va, pensiero, sull'ali dorate" den berühmten Gefangenenchor, in dem die hebräischen Sklaven ihre verlorene Heimat besingen. Die Melodie wurde zur inoffiziellen Hymne des italienischen Risorgimento, der Einigungsbewegung des 19. Jahrhunderts, und erklang noch bei Verdis Begräbnis 1901. Bei der Scala-Premiere einer Neuproduktion 2011 ließ Dirigent Riccardo Muti den Chor inmitten einer Debatte um Kulturkürzungen als beispiellose Zugabe wiederholen. Die Partie der Abigaille gilt mit ihren extremen Sprüngen und dramatischen Ausbrüchen als eine der schwersten Rollen für dramatischen Sopran im gesamten Repertoire.
