Über das Werk
„Lotfullah & die Staatsbürgerschaft" ist eine partizipative Theaterproduktion des Wiener Burgtheaters, entwickelt von der Theaterpädagogik des Hauses. Im Zentrum steht Lotfullah Yusufi, der 2015 als Fünfzehnjähriger allein nach Österreich floh und seither am Burgtheater und mit der Gruppe SPIGL Theater spielt. Der Abend ist ausdrücklich keine Fluchtgeschichte, sondern eine kafkaeske Erzählung über Bürokratie – über unverständliche Amtssprache, den Wert der Staatsbürgerschaft und Lotfullahs bemerkenswerte Beharrlichkeit, seinen Charme und Humor.
Handlung
Entlang von Lotfullahs eigenem Weg durch das österreichische Staatsbürgerschaftsverfahren entfaltet die Produktion ein Lehrstück über die Mühlen der Behörden. Die Bürokratie tritt dabei leibhaftig auf die Bühne: Verkörpert von Waltraud Matz feiert sie sich in einer Arie als „Queen of Power". Ein neunköpfiges Ensemble macht das Verfahren – seine Absurditäten, seine Härten, seine Endlosschleifen – sinnlich erfahrbar. Die Erzählung entstand in Zusammenarbeit von Lotfullah Yusufi mit der Regisseurin Anna Manzano, der Musikerin und Performerin Marie Theissing und der Bühnenbildnerin Magdalena Knor.
Kulturelle Bedeutung
Die Produktion verbindet dokumentarisches, biografisches und partizipatives Theater zu politischer Bildung: Sie erteilt – mit Witz statt Betroffenheitsgestus – Nachhilfe in Empathie und Bürokratie, in Migration und Integration. Indem ein Betroffener seine eigene Geschichte auf die Bühne eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater bringt, verschiebt der Abend die Perspektive: Aus dem „Fall" wird ein Mensch mit Stimme, Humor und Urteilskraft. „Lotfullah & die Staatsbürgerschaft" steht damit für ein Theater, das gesellschaftliche Teilhabe nicht nur verhandelt, sondern praktiziert.
