Letzte Station Torgau
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Letzte Station Torgau

Hans-Werner Kroesinger
Theater · 2026

Über das Werk

„Letzte Station Torgau. Eine kalte Umarmung" ist ein Dokumentartheaterprojekt von Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger am Schauspiel Leipzig. Es widmet sich dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau – der einzigen geschlossenen Einrichtung dieser Art in der DDR. Zwischen 1964 und 1989 wurden dort mehr als 4.000 Jugendliche durch militärischen Drill, Strafen und Demütigung zu „sozialistischen Persönlichkeiten" umerzogen. Auf Grundlage von Archivmaterial, Besuchen der Gedenkstätte und Gesprächen mit Betroffenen bringt das Stück diese Geschichte dokumentarisch auf die Bühne.

Handlung

Der Abend verzichtet auf eine erfundene Handlung und montiert stattdessen reale Zeugnisse: Die ungeschützten persönlichen Texte der internierten Jugendlichen werden mit Dokumenten und Aussagen ihrer Aufseher:innen konfrontiert. In Hugo Gretlers Bühnenraum bleiben die Darsteller:innen isoliert und vermeiden Blick- und Körperkontakt; Requisiten wie die „Wippe", die im Hof von Torgau zum körperlichen Drill diente, verweisen konkret auf den Alltag der Anstalt. Aus Wut, Selbstbehauptung und dem Ringen der Jugendlichen um Selbstachtung entsteht ein Bild des Systems – und ein Akt der Würde-Rückgabe an jene, denen Torgau eben diese Würde nehmen wollte.

Kulturelle Bedeutung

Der Jugendwerkhof Torgau steht symbolisch für die repressive Seite der DDR-Jugendfürsorge; seine Aufarbeitung ist bis heute Teil der gesamtdeutschen Erinnerungsarbeit. „Letzte Station Torgau" reiht sich in das dokumentarische Theater von Hans-Werner Kroesinger ein, der seit Jahrzehnten mit akribischer Quellenarbeit politische und historische Themen auf die Bühne bringt. Das Stück versteht Theater als Form der historischen Aufklärung und gibt den Betroffenen eine Stimme, die in der offiziellen Geschichtsschreibung lange fehlte.

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