Über das Werk
Aribert Reimanns Oper in zwei Teilen wurde 1978 an der Bayerischen Staatsoper München uraufgeführt und gilt als das bedeutendste Opernwerk der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Das Libretto von Claus H. Henneberg nach Shakespeares King Lear entstand über Jahre in enger Zusammenarbeit mit Reimann und wurde für Dietrich Fischer-Dieskau geschrieben, der die Titelrolle in der Uraufführung sang.
Handlung
Der alternde König Lear will sein Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen, nach ihrer Liebesbeteuerung gestaffelt. Goneril und Regan übertreffen sich in Heuchelei, die jüngste Cordelia schweigt ehrlich — und wird enterbt. Lear lebt zunächst bei Goneril, dann bei Regan, beide entmachten ihn Schritt für Schritt, bis er wahnsinnig in die Heide flieht. Parallel betrügt der Bastard Edmund seinen Vater Gloucester und seinen Halbbruder Edgar. In einer Schlacht zwischen den Schwestern und der aus Frankreich heimkehrenden Cordelia fällt das Geschlecht. Lear findet zu Cordelia zurück, doch sie wird ermordet. Lear stirbt über ihrer Leiche.
Kulturelle Bedeutung
Reimanns Lear zählt zu den expressivsten Zeugnissen der Neuen Musik und verwendet ein riesiges Orchester mit geteilten Streichern und elektronischen Klängen, um die seelischen Zustände der Figuren in Klang zu übersetzen. Die Oper wurde an führenden Opernhäusern weltweit gespielt, von der Met bis zur Wiener Staatsoper. Die Titelrolle, für Fischer-Dieskaus Stimme komponiert, ist eine der anspruchsvollsten Baritonpartien der Musikgeschichte. Lear gilt als Beweis, dass die Oper auch im späten 20. Jahrhundert existentielle Dramen adäquat verhandeln kann.
