Über das Werk
Francis Poulencs „La voix humaine" („Die menschliche Stimme") wurde 1959 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt. Die „tragédie lyrique" in einem Akt beruht auf dem Monodram von Jean Cocteau und ist eine Oper für eine einzige Sängerin: das letzte Telefongespräch einer verlassenen Frau mit dem Mann, der sie verlässt. Denise Duval sang die Uraufführung.
Handlung
Eine Frau — nur „Elle" genannt — führt am Telefon das letzte Gespräch mit ihrem Geliebten, der sie nach langer Beziehung verlassen hat und am nächsten Tag eine andere heiraten wird. Die ganze Oper besteht aus ihrer Seite dieses Telefonats. Immer wieder reißt die Verbindung ab, fremde Stimmen drängen sich in die Leitung, sie muss neu wählen. Zwischen mühsam gewahrter Fassung, zärtlicher Erinnerung, kleinen Lügen — sie tut, als sei sie ruhig und ausgegangen — und aufbrechender Verzweiflung schwankt ihr Ton. Nach und nach wird offenbar, wie tief verletzt und einsam sie ist und wie sehr sie am Rand des Zusammenbruchs steht. Das Telefonkabel, um das sie sich windet, wird zum Bild ihrer Abhängigkeit. Am Ende, mit dem Hörer am Ohr, bleibt nur das wiederholte „Ich liebe dich" — dann das Schweigen.
Kulturelle Bedeutung
„La voix humaine" ist eines der eindringlichsten Werke des Musiktheaters für eine Solostimme und eine der größten Herausforderungen für dramatische Sopranistinnen, die fünfzig Minuten lang allein die Bühne tragen. Poulencs feinnervige, dem Sprechtonfall folgende Musik machte das Werk zu einem Klassiker der Moderne. Es wird weltweit gespielt und wurde mehrfach verfilmt.
