Über das Werk
Gaspare Spontinis „La Vestale" wurde 1807 an der Pariser Oper uraufgeführt und von Kaiserin Joséphine gefördert. Die „tragédie lyrique" über eine Vestalin im antiken Rom wurde ein triumphaler Erfolg und gilt als Brücke zwischen der Oper Glucks und der französischen Grand Opéra. Spontinis monumentaler, leidenschaftlicher Stil beeinflusste Berlioz und Wagner.
Handlung
Im antiken Rom liebt die Vestalin Julia heimlich den siegreichen Feldherrn Licinius. Als Priesterin der Vesta ist sie zu ewiger Keuschheit verpflichtet und muss über das heilige Feuer wachen, dessen Erlöschen mit dem Tod bestraft wird. Während Licinius im Triumph in die Stadt zurückkehrt, ist es Julias Aufgabe, ihm den Siegeskranz zu überreichen. In der Nacht hält sie allein die Wache am Altar; Licinius dringt zu ihr vor, und im Taumel des Wiedersehens erlischt die heilige Flamme. Das Sakrileg wird entdeckt: Julia wird zum Tod durch lebendiges Begraben verurteilt, da sie den Namen ihres Geliebten nicht preisgibt. Als sie bereits zur Hinrichtung geführt wird, schlägt ein Blitz in den Altar und entzündet das heilige Feuer neu — ein Zeichen der Vergebung der Göttin. Julia wird begnadigt und mit Licinius vereint.
Kulturelle Bedeutung
„La Vestale" war eine der erfolgreichsten Opern ihrer Zeit und ein Schlüsselwerk auf dem Weg zur Grand Opéra. Spontinis Verbindung von antikem Pathos, großer Chordramaturgie und glühender Melodik wurde zum Vorbild für die französische und deutsche Oper des 19. Jahrhunderts. Die Titelpartie zählt zu den großen Herausforderungen für dramatische Soprane; Maria Callas' Interpretation an der Mailänder Scala (1954) machte das Werk im 20. Jahrhundert wieder berühmt.
