Über das Werk
Wolfgang Amadeus Mozarts Opera seria in zwei Akten wurde am 6. September 1791 am Ständetheater Prag uraufgeführt — nur gut zwei Monate vor seinem Tod und kaum einen Monat vor der Premiere der Zauberflöte. Als Auftragswerk zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Leopolds II. zum König von Böhmen komponierte Mozart das Werk in etwa achtzehn Tagen nach einem Libretto von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasio. Die Oper markiert Mozarts Rückkehr zur Opera seria nach fünfzehn Jahren in komischen und deutschen Werken.
Handlung
Der römische Kaiser Titus hegt große Liebe zu der Adligen Vitellia, doch diese will ihn nur heiraten, um Kaiserin zu werden. Als Titus zuvor andere Bräute wählt, manipuliert Vitellia ihren verliebten Verehrer Sesto, eine Verschwörung zur Ermordung des Kaisers zu führen. Der Plan scheitert — Titus entkommt, der falsche Mann wird getötet. Sesto, gefasst, weigert sich, Vitellia zu belasten, obwohl ihn die Verurteilung in die Arena erwartet. Schließlich gesteht Vitellia. In der titelgebenden Geste von Milde verzeiht Titus Sesto, Vitellia und den anderen Verschwörern und erklärt, Barmherzigkeit sei die größte kaiserliche Tugend.
Kulturelle Bedeutung
La clemenza di Tito wurde im 19. Jahrhundert als eilig geschriebenes Gelegenheitswerk unterschätzt, aber seit Ende des 20. Jahrhunderts als eine der feinsten Mozart-Opern neu bewertet. Das Werk verlangt außergewöhnliche Sänger — Vitellia ist eine berüchtigt schwierige dramatische Sopranrolle, während Sesto (eine Hosenrolle für Mezzosopran) zu Mozarts psychologisch reichsten Partien zählt. Moderne Inszenierungen von Ursel Herrmann und Peter Sellars haben erneutes Verständnis für die moralische Tiefe und die sublime Schönheit der spät-mozartschen Orchestrierung gebracht.
