Homo Empathicus
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Homo Empathicus

Rebekka Kricheldorf
Theater · 2014
DramaZeitgenössisches Drama

Über das Werk

Rebekka Kricheldorfs Komödie wurde 2014 am Theater Kassel uraufgeführt und gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Gegenwartsstücken der 2010er Jahre. Die Autorin, Jahrgang 1974, gilt als eine der präzisesten Satirikerinnen der deutschen Bühne und verarbeitet in diesem Werk das akademisch-linksliberale Milieu und dessen sprachliche Selbstgerechtigkeit.

Handlung

In einer Gemeinschaft hochsensibler, empathiebegabter Menschen herrscht moralische Hygiene. Achtsame Sprache, veganes Essen und gender-gerechte Inklusion sind Pflicht. Als ein Fremder — der Unempfindliche — in das Idyll einbricht, zeigt sich die Fragilität dieser Tugend-Welt. Der Neuankömmling bricht Tabus, spricht unzensiert, lacht über die falschen Dinge. Zunächst versucht die Gemeinschaft, ihn umzuerziehen; als das scheitert, wird er zum Sündenbock. Am Ende zeigt sich, dass die Empathie-Utopie mindestens so ausgrenzend ist wie die rohe Welt, die sie überwinden wollte.

Kulturelle Bedeutung

Homo Empathicus ist eines der meistdiskutierten zeitgenössischen Theaterstücke und eine präzise Milieustudie über die Grenzen moralischer Überlegenheit. Kricheldorf trifft einen Nerv der Debatten um Identitätspolitik, Cancel Culture und akademische Tugendsignale — lange bevor diese Begriffe in der breiten Öffentlichkeit ankamen. Das Stück wird in Inszenierungen sowohl links als auch rechts politisch vereinnahmt, was die Schärfe der Satire belegt. Es gehört mittlerweile zum Standardrepertoire zeitgenössischer deutscher Bühnen.

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