Über das Werk
Henrik Ibsens Drama in fünf Akten wurde 1884 in Bergen uraufgeführt. „Die Wildente" („Vildanden") gilt als eines der psychologisch raffiniertesten Stücke Ibsens und Schlüsselwerk seiner mittleren Periode. Mit dem zentralen Symbol der eingesperrten Wildente erfand Ibsen ein vielschichtiges Bild für die Notwendigkeit der „Lebenslüge".
Handlung
In Christiania (Oslo) trifft der idealistische Gregers Werle nach Jahren wieder seinen Schulfreund Hjalmar Ekdal. Hjalmar lebt mit seiner Frau Gina, deren 14-jähriger Tochter Hedvig und seinem alten Vater in einem Photoatelier mit Dachboden, auf dem sie Wildtiere — darunter eine Wildente — halten. Gregers entdeckt: Sein Vater, der reiche Großhändler Werle, hat einst seine Geliebte Gina an Hjalmar abgetreten und vor Jahren dem alten Ekdal die Schuld an einem dubiosen Wald-Geschäft zugeschoben — er sitzt seither im sozialen Schatten. Gregers, getrieben vom „idealistischen Anspruch der Wahrheit", drängt darauf, dass Hjalmar erfahren muss: Hedvig ist nicht seine, sondern Werles Tochter. Hjalmar, von der Wahrheit überfordert, weist Hedvig zurück. Hedvig — von Liebe zu ihrem vermeintlichen Vater zerrissen — versucht, Hjalmar zu beweisen, dass sie ihn liebt: Sie schießt die Wildente — und sich selbst — mit Großvaters Pistole tot.
Kulturelle Bedeutung
Die Wildente ist Ibsens differenziertestes Werk zur Frage von Wahrheit und Lüge im bürgerlichen Leben. Doktor Rellings berühmter Spruch „Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und Sie nehmen ihm das Glück" wurde Aphorismus. Das Stück gilt als Vorgriff auf Tschechow und das psychologische Drama des 20. Jahrhunderts. Aufführungen Peter Zadeks, Thomas Ostermeiers und Ivo van Hoves haben das Stück in den letzten 30 Jahren stark präsent gehalten.
