Über das Werk
„Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“ ist ein Gesellschafts- und Großstadtroman des österreichischen Schriftstellers Heimito von Doderer. Er erschien 1951 im Münchner Biederstein Verlag und gleichzeitig bei Luckmann in Wien. Doderer verstand ihn als Rampe zu seinem späteren Roman „Die Dämonen“ (1956). Auf die Bühne kam der Stoff unter anderem 2007/08 als zwölfteilige Serie am Schauspielhaus Wien und 2019 in einer Fassung von Nicolaus Hagg am Theater in der Josefstadt; am Burgtheater ist für den 13. Mai 2027 eine Inszenierung von Frank Castorf angesetzt.
Handlung
Die Haupthandlung spielt in Wien zwischen 1923 und 1925, mit Rückblenden in die Sommer 1910 und 1911. Im Zentrum steht Melzer, 1910 ein junger Infanterieleutnant auf Sommerurlaub, später Major und Beamter der Tabakregie, dessen langsames Reifen der Roman begleitet. Um ihn kreisen zahlreiche Figuren, etwa der spätere Historiker René von Stangeler, Etelka Grauermann und Mary K., deren Unfall mit der Straßenbahn am Althanplatz den Roman rahmt. Schauplatz ist vor allem der neunte Bezirk zwischen Althanplatz und Schottentor; wichtige Szenen spielen auf der Strudlhofstiege, einer Freitreppe im Alsergrund.
Kulturelle Bedeutung
Der Roman wurde schon bei Erscheinen gefeiert und gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Romane des 20. Jahrhunderts. Kennzeichnend sind viele verflochtene Handlungsstränge, Zeitsprünge, lange präzise Sätze, ironische Distanz und der Einsatz von Wiener Mundart.
