Über das Werk
Werner Schwabs groteskes Kammerstück wurde 1990 im Künstlerhaus Wien uraufgeführt und machte den damals erst 32-jährigen Autor über Nacht bekannt. Es gilt als sein bekanntestes Werk und als Klassiker des österreichischen Volkstheaters des späten 20. Jahrhunderts. Schwab entwickelte einen eigenwilligen Sprachduktus, der verklemmtes Biedermeier, katholische Unterdrückung und brutale Direktheit in eine einzigartige Theatersprache verwandelte — das sogenannte Schwab-Deutsch.
Handlung
Drei Frauen — Erna, Grete und Mariedl — sitzen nach der päpstlichen Fernsehübertragung in Ernas Küche. Erna, fromme Wurstfabrik-Arbeiterin. Grete, bigotte Witwe, die heimlich vom Metzger träumt. Mariedl, katholisches Klofrauen-Original, die sich selbst als Expertin für verstopfte Toiletten und päpstliche Audienzen inszeniert. In einem wahnwitzigen Dialog entwickeln sie Zukunftsfantasien, die zwischen Küche und Vatikan, Wurstkessel und göttlicher Gnade schwanken. Als die Fantasien kippen und die verdrängten Aggressionen aufbrechen, endet der Abend im Exzess: Mariedl wird erschlagen, der Kopf landet im Kübel.
Kulturelle Bedeutung
Die Präsidentinnen zählt zu den meistgespielten österreichischen Stücken der letzten Jahrzehnte und ist das zentrale Werk der sogenannten Schwab-Renaissance. Die Inszenierungen in Wien, Berlin und Zürich brachten der Theaterlandschaft eine neue Form grotesker Figurenzeichnung, die auf Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek und deutscher Regie-Aggression gleichermaßen Einfluss hatte. Werner Schwab starb 1994 mit 35 Jahren — das Stück wurde zum Denkmal seines dunklen Genies.