Über das Werk
Albert Lortzings „Der Wildschütz oder Die Stimme der Natur" wurde 1842 in Leipzig uraufgeführt und gilt nach „Zar und Zimmermann" als sein zweites Hauptwerk. Lortzing schrieb auch hier Musik und Libretto selbst, basierend auf August von Kotzebues Lustspiel „Der Rehbock oder Die schuldlosen Schuldbewußten".
Handlung
Auf einem Dorf bei einem Schloss findet die Hochzeit des Schulmeisters Baculus mit der jungen Gretchen statt. Baculus, leidenschaftlicher Jäger, hat in Vorfreude einen Bock geschossen — leider auf dem Grund des Grafen, was ihn die Stelle kosten wird. Der Graf und seine Schwester, Baronin Freimann, sind zu Besuch im Schloss. Die Baronin verkleidet sich aus Übermut als Mann, lernt Baculus kennen und beschließt, ihn zu reizen. Im großen Maskenball kommt es zur Verwechslungs-Komödie: Die Baronin in Männerkleidern wird von Baculus für einen Studenten gehalten, sie spielt mit; gleichzeitig flirtet Graf von Eberbach mit einem als Mann verkleideten Baculus, den er für die Baronin hält. Als die Verwirrung sich klärt, hat sich auch herausgestellt: Der Graf ist nicht ehelich treu, was sein Bruder Baron Kronthal — der eigentlich der „Kronthal" ist, der mit Gretchen sympathisiert — geschickt nutzt. Schließlich werden alle Paare richtig zusammengeführt: Gretchen mit Baron Kronthal (der sich am Ende als der wahre Bräutigam erweist), Baculus zurück in seinen Schul-Posten.
Kulturelle Bedeutung
Der Wildschütz ist Lortzings musikalisch reichste Oper. Die Billard-Quintett-Szene („Wir armen, armen Mädchen") und die Studenten-Arien sind Repertoire-Klassiker; das Werk wird in Deutschland regelmäßig gespielt — international weniger als „Zar und Zimmermann". Lortzings Idiom — bürgerliche Behaglichkeit, leichthändige Melodien, harmlose Komödienverwicklungen — repräsentiert den Höhepunkt deutscher Spieloper. Inszenierungen am Münchner Gärtnerplatz, an der Komischen Oper Berlin und an der Wiener Volksoper halten das Werk lebendig.
