Über das Werk
„Der erste fiese Typ" ist eine Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Debütroman („The First Bad Man", 2015) der US-amerikanischen Künstlerin und Autorin Miranda July. Der Stoff wurde an mehreren deutschsprachigen Häusern inszeniert – u. a. an den Münchner Kammerspielen und am Schauspielhaus Zürich (Regie: Christopher Rüping) sowie als Solo am Deutschen Theater Berlin (Regie: Sarah Kurze, mit Maren Eggert). Im Zentrum steht die einsame, eigenbrötlerische Cheryl, deren streng geordnetes Leben durch das Eindringen einer jungen Frau aus den Fugen gerät.
Handlung
Cheryl ist eine Frau mittleren Alters mit fest gefügten Ritualen, kuriosen Privattheorien und einer heimlichen Sehnsucht. Ihr sorgsam kontrolliertes Dasein gerät ins Wanken, als Clee – die junge, ungestüme Tochter ihrer Arbeitgeber – bei ihr einzieht. Aus Reibung, Provokation und körperlicher Konfrontation entwickelt sich eine zunehmend intime, höchst ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden Frauen. Was als Zumutung beginnt, kippt allmählich in Nähe, Begehren und schließlich in eine überraschende Form von Fürsorge und Mutterschaft. Die Inszenierungen übersetzen Julys lakonisch-schrägen, zugleich zärtlichen Ton in einen Theaterabend über Einsamkeit, Sehnsucht und die Risse der eigenen Selbstkontrolle.
Kulturelle Bedeutung
Miranda July gilt als eigenwillige Stimme der US-amerikanischen Gegenwartskunst zwischen Literatur, Film und Performance; ihr Debütroman wurde international gefeiert. Die Theateradaptionen zeigen, wie gut sich Julys Erkundung von Intimität, Scham und Verlangen für die Bühne eignet – häufig als virtuoses Schauspielerinnen-Format (Solo oder Duo). „Der erste fiese Typ" steht für ein Gegenwartstheater, das Romanstoffe nicht bebildert, sondern ihre psychologische Feinmechanik und ihren besonderen Humor in Spiel verwandelt.