Über das Werk
Georges Bizets Oper in vier Akten wurde am 3. März 1875 an der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt und basiert auf Prosper Mérimées gleichnamiger Novelle. Das Werk markiert einen Wendepunkt der Operngeschichte durch seinen schonungslosen Realismus und die radikale Darstellung von Leidenschaft, gesellschaftlicher Schranke und Gewalt. Das Publikum der Uraufführung war von der Freizügigkeit der Titelfigur schockiert; Bizet starb wenige Monate später, ohne den Welterfolg seines Werks zu erleben.
Handlung
Die temperamentvolle Zigarettenarbeiterin Carmen verführt in Sevilla den Soldaten Don José und bringt ihn dazu, seine Pflicht und seine Verlobte Micaëla zu verraten. Don José desertiert und schließt sich einer Schmugglerbande an, doch Carmen, die sich nach Freiheit sehnt, wendet ihre Zuneigung dem strahlenden Torero Escamillo zu. Von Eifersucht zerfressen, stellt Don José Carmen vor der Stierkampfarena zur Rede, während drinnen Escamillo gefeiert wird. Als sie sich weigert, zu ihm zurückzukehren, und ihm trotzig seinen Ring vor die Füße wirft, ersticht er sie.
Kulturelle Bedeutung
Carmen ist die meistgespielte Oper der Welt und etablierte einen schonungslosen Realismus, der dem Verismo um Jahre vorausging. Melodien wie die Habanera „L'amour est un oiseau rebelle" und das Torero-Lied gehören zum kollektiven Kulturgedächtnis. Die Titelrolle gilt als eine der großen Partien für Mezzosopran und verlangt darstellerische wie stimmliche Sinnlichkeit. Zahllose Verfilmungen, Ballette und Bearbeitungen – von Carlos Saura bis zu Verdfilmen – zeugen von der ungebrochenen Faszination der Figur.
