Über das Werk
Pina Bauschs Tanzstück „Café Müller" wurde 1978 vom Wuppertaler Tanztheater im Opernhaus Wuppertal uraufgeführt. Es ist eines ihrer ikonischsten Werke und das einzige, in dem Pina Bausch selbst regelmäßig tanzte — bis zu ihrem Tod 2009. Die musikalische Grundlage sind Arien aus Henry Purcells „Dido and Aeneas" und „The Fairy Queen".
Handlung
In einem Café mit weiß gedeckten Tischen und ungeordneten Stühlen bewegen sich sechs Figuren. Eine Frau im weißen Nachthemd (Pina Bausch in der Uraufführung), die schlafwandelnd mit geschlossenen Augen durch den Raum tastet. Ein Mann (Dominique Mercy bei der Uraufführung) räumt ihr panisch die Stühle aus dem Weg, damit sie nicht stolpert. Ein zweites Paar — eine Frau (Malou Airaudo) und ein Mann (Jan Minařík) — durchlebt eine bezugslose, immer wieder von einem dritten Mann auseinandergenommene Umarmung: Er hebt den Mann hoch, legt die Frau in seine Arme, biegt die Arme zur Umarmungspose, geht weg — die Umarmung kollabiert, die Frau fällt zu Boden. Beide nehmen das gescheiterte Ritual immer wieder auf, immer schneller, immer verzweifelter. Eine fünfte Figur — ein nervöses Frauchen mit roter Perücke und High Heels — wuselt durch die Szene. Es gibt keine Erzählung im konventionellen Sinn, nur eine Spirale aus Sehnsucht, Einsamkeit und Berührungs-Unfähigkeit.
Kulturelle Bedeutung
Café Müller ist nach „Le Sacre du printemps" Pina Bauschs zweiter Welterfolg und prototypisches Werk des Wuppertaler Tanztheaters. Die Verbindung autobiographischer Erinnerungsfetzen (Bausch wuchs im elterlichen Café auf) mit ritualisierten Bewegungspartituren wurde stilbildend für das deutsche Tanztheater. Pedro Almodóvar zeigt das Stück zentral in seinem Film „Hable con ella" (Sprich mit ihr, 2002), was den internationalen Ruhm des Werks vergrößerte.