Drunk Shakespeare DC im Penn Quarter Washington, eröffnet im Mai 2018 als zweite Spielstätte der „Drunk Shakespeare Society" nach dem Mutterhaus in New York (2014), gehört zu den eigenwilligsten Theaterformaten Amerikas. Das Konzept ist so einfach wie radikal: Ein professioneller Schauspieler trinkt vor jeder Vorstellung fünf Shots Whiskey und spielt anschließend eine klassische Shakespeare-Rolle gemeinsam mit drei nüchternen Ensemble-Kollegen. Was als chaotisches Kammerspiel beginnt, entwickelt sich im Lauf von 90 Minuten zu einer aus dem Ruder laufenden Mischung aus klassischem Bardenspiel, Improvisationstheater, Slapstick und Stand-up — keine Aufführung gleicht der anderen. Das Theater im Untergeschoss eines historischen Gebäudes an der D Street ist intim eingerichtet: Etwa 90 Zuschauer sitzen an gemeinsamen Tischen in einer als Privatbibliothek gestalteten Bar, umgeben von alten Büchern, Antiquitätenmöbeln und gedimmten Pendelleuchten. Das Publikum trinkt während der Vorstellung mit, kann durch eine eigene „Shot Card" gezielt Spielende zu zusätzlichen Trinkrunden zwingen und wird Teil der Produktion: Zuschauer werden zu Königen gekrönt, zu Hochzeiten geladen oder müssen Repliken vorlesen. Stücke aus dem Repertoire — meist Shakespeares populäre Komödien wie „A Midsummer Night's Dream", „Twelfth Night" oder „Much Ado About Nothing" — werden auf 90 Minuten gekürzt und stark adaptiert, die Sprache bleibt jedoch weitgehend bei Shakespeares Original-Versmaß. Die Gründer Scott Griffin (Schauspieler, Yale-Absolvent) und David Hudson positionieren das Format bewusst als „Shakespeare für Leute, die Shakespeare hassen" — und haben damit ein Publikum erreicht, das das klassische Theater sonst meidet.
Vor jeder Vorstellung trinkt ein Ensemble-Mitglied fünf Shots Whiskey live vor dem Publikum — und muss anschließend trotzdem eine klassische Shakespeare-Rolle spielen. Die Wahl, wer trinkt, fällt jeden Abend per Würfel oder Publikumsabstimmung.