Über das Werk
„Tagebuch eines Wahnsinnigen“ ist ein deutscher Titel von Nikolai Gogols Erzählung „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ (russisch „Записки сумасшедшего“), unter dem sie auch auf der Bühne gespielt wird. Gogol schrieb den Text zwischen August und Oktober 1834 und veröffentlichte ihn im Januar 1835 im Sammelband „Arabesken“. Als einziges seiner Werke ist er ganz in der Ich-Form gehalten und besteht aus datierten Tagebucheinträgen. Im Deutschen liegt er unter anderem in der Übersetzung von Kay Borowsky vor, die 1995 unter dem Titel „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ erschien.
Handlung
Der Petersburger Titularrat Aksenti Poprischtschin spitzt in seiner Behörde die Federn des Direktors und verliebt sich aussichtslos in dessen Tochter Sophie. Er glaubt, zwei Hunde miteinander sprechen zu hören, entwendet ihre Briefe und liest darin, dass Sophie ihn lächerlich findet und einen anderen heiraten wird. Als er in der Zeitung von der ungeklärten Thronfolge in Spanien erfährt, erklärt er sich zum König Ferdinand VIII., während die Daten seiner Einträge immer absurder werden. Schließlich landet er in einer Anstalt, die er für den spanischen Hof und später für die Inquisition hält, und ruft am Ende nach seiner Mutter.
Kulturelle Bedeutung
Mit „Die Nase“ und „Der Mantel“ gehört die Erzählung zu Gogols bekanntesten Prosatexten; schon Wissarion Belinski lobte, wie sie Komik und Mitgefühl verbindet. Ärzte des 19. Jahrhunderts lasen sie als genaue Beschreibung eines fortschreitenden Wahns, und der Psychiater Eric Lewin Altschuler nannte Poprischtschin 2001 eine der frühesten ausführlichen Darstellungen einer Schizophrenie. Der chinesische Autor Lu Xun griff den Titel 1918 für seine Erzählung „Tagebuch eines Verrückten“ auf; Bühnenfassungen wie David Holmans Stück, 2010 in Sydney mit Geoffrey Rush gespielt, halten den Stoff im Theater lebendig.
