Über das Werk
Die Sonate E-Dur BWV 1016 ist die dritte der sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo Johann Sebastian Bachs. Auch sie ist als dreistimmige Triosonate gearbeitet, in der Violine und rechte Cembalohand als gleichwertige Melodiepartner über einem selbstständigen Bass agieren. Mit ihrer strahlenden Tonart und dem ausgedehnten, kunstvollen Mittelsatz gilt sie als eine der eindrucksvollsten des Zyklus. Wie die übrigen Sonaten entstand sie vermutlich in Bachs Köthener Zeit zwischen 1717 und 1723 und wurde in Leipzig weiter überarbeitet; die viersätzige Anlage folgt dem Schema langsam–schnell–langsam–schnell der Kirchensonate.
Handlung
Das einleitende Adagio breitet über fließendem Cembalobass eine reich verzierte, gesangliche Violinlinie aus. Das folgende Allegro verschränkt die drei Stimmen in lebhaftem fugiertem Spiel. Höhepunkt ist der dritte Satz, ein Adagio ma non tanto, das über einem beharrlich wiederkehrenden Bassmodell – einer Art Ostinato bzw. Passacaglia – eine der bewegendsten langsamen Eingebungen Bachs entfaltet. Das abschließende Allegro greift den dreistimmigen Kontrapunkt wieder auf und beschließt die Sonate mit festlichem Glanz.
Kulturelle Bedeutung
Der ostinate Adagio-Satz von BWV 1016 zählt zu den meistbewunderten langsamen Sätzen der Barockkammermusik und zeigt Bachs Kunst, über einem einfachen harmonischen Gerüst eine zugleich strenge und tief empfundene Musik zu errichten. Innerhalb der Sammlung BWV 1014–1019, die C. P. E. Bach unter die besten Werke seines Vaters rechnete, nimmt die E-Dur-Sonate eine herausragende Stellung ein. Sie ist fester Bestandteil des Konzertrepertoires für Violine und Tasteninstrument geblieben.
