Über das Werk
Die Sonate c-Moll BWV 1017 ist die vierte der sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo Johann Sebastian Bachs. Wie der gesamte Zyklus ist sie als dreistimmige Triosonate gearbeitet, in der Violine und ausgeschriebene rechte Cembalohand als gleichberechtigte Oberstimmen über einem eigenständigen Bass musizieren. Die Sonate folgt dem viersätzigen Modell der italienischen Kirchensonate (langsam–schnell–langsam–schnell). Berühmt ist vor allem ihr Eröffnungssatz, ein Siciliano, dessen schwermütig wiegende Violinmelodie über den gebrochenen Akkorden des Cembalos zu Bachs bekanntesten Eingebungen zählt. Entstanden ist das Werk vermutlich in Bachs Köthener Jahren und wurde in Leipzig weiter überarbeitet.
Handlung
Das einleitende Siciliano (Largo) lässt die Violine eine weit gespannte, klagende Kantilene über dem arpeggierten Cembalo ausbreiten – eine der berühmtesten langsamen Melodien Bachs. Es folgt ein ernstes, ausgedehntes Allegro in strenger Fugentechnik. Der dritte Satz, ein Adagio in der Durparallele, stellt der Violine eine zweite gesangliche Linie zur Seite und bereitet als ruhiges Zwischenspiel das Finale vor. Den Abschluss bildet ein energisches Allegro im 2/4-Takt, wiederum fugiert, das die drei Stimmen in lebhaftem Kontrapunkt zusammenführt.
Kulturelle Bedeutung
Das Siciliano aus BWV 1017 wurde weit über die Kammermusik hinaus bekannt und in zahllosen Bearbeitungen gespielt. Es zeigt exemplarisch Bachs Kunst, über einem schlichten harmonischen Gerüst eine zutiefst empfundene Melodie zu errichten. Innerhalb der Sammlung BWV 1014–1019, die C. P. E. Bach zu den besten Werken seines Vaters zählte, gehört die c-Moll-Sonate zu den ausdrucksstärksten und ist fester Bestandteil des Konzertrepertoires für Violine und Tasteninstrument geblieben.
