Über das Werk
Die Sonate A-Dur BWV 1015 ist die zweite der sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo Johann Sebastian Bachs. Wie der ganze Zyklus ist sie als Triosonate angelegt: Violine und die ausgeschriebene rechte Cembalohand bilden zwei gleichberechtigte Oberstimmen über dem Bass der linken Hand. Im Vergleich zur ernsten Eröffnungssonate in h-Moll schlägt BWV 1015 einen helleren, lyrischeren Ton an. Der Kopfsatz trägt keine Tempobezeichnung, doch sein 6/8-Takt, die Anweisung „dolce" und das anmutige Thema weisen auf einen innigen, sangbaren Charakter. Entstanden ist auch dieses Werk vermutlich in Bachs Köthener Jahren und wurde später mehrfach revidiert.
Handlung
Der erste Satz entfaltet über wiegendem Bass ein zärtliches Zwiegespräch zwischen Violine und Cembalo, in dem die beiden Oberstimmen einander in Terzen und Sexten umspielen. Es folgt ein lebhaftes Allegro in fugierter Triosonaten-Manier, das die Stimmen in dichten Imitationen verschränkt. Der langsame dritte Satz – ein Andante un poco – versinkt in kantabler Ruhe, bevor das abschließende Presto mit virtuosem Schwung und tänzerischer Energie die Sonate beschließt. Die Anlage langsam–schnell–langsam–schnell bewahrt das Modell der Kirchensonate.
Kulturelle Bedeutung
BWV 1015 zeigt exemplarisch, wie Bach in den Violinsonaten Gelehrsamkeit und Sinnlichkeit verbindet: Der strenge dreistimmige Satz wird nie zum Selbstzweck, sondern dient einem ausdrucksvollen, oft geradezu kammermusikalisch-intimen Musizieren. Innerhalb des Zyklus, den C. P. E. Bach besonders schätzte, gilt die A-Dur-Sonate als eines der liebenswürdigsten Stücke. Sie gehört bis heute zum Kernrepertoire für Violine und Cembalo bzw. Klavier und ist auf historischem wie modernem Instrumentarium gleichermaßen zu Hause.
