Über das Werk
„Schnee von gestern, Schnee von morgen“ ist ein Bühnentext des österreichischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Peter Handke, den Suhrkamp im Januar 2025 als schmalen Band veröffentlichte. Der Verlag beschreibt ihn als Drama ohne Sprecherwechsel: einen einzigen, sich fortwährend selbst befragenden Redestrom. Die Uraufführung fand am 27. Juli 2026 bei den Salzburger Festspielen im Salzburger Landestheater statt, in der Regie von Jossi Wieler mit Marina Galic und Jens Harzer, die sich den Text teilten; die Koproduktion mit dem Berliner Ensemble hatte dort am 29. August 2026 Berlin-Premiere.
Handlung
Eine namenlose Figur ist allein unterwegs und sammelt, was ihr auf dem Weg begegnet: zwei Raben, einen angebissenen Apfel am Straßenrand, einen Fliegenschwarm, Regen im Laub, Wolkenschatten. Zwischen diese Beobachtungen schieben sich Gedanken an Odysseus und dessen Irrfahrt, Kindheitserinnerungen, Sprichwörter und Wortherkünfte. Jede Aussage wird sogleich in Zweifel gezogen und wieder zurückgenommen, bis aus dem Gehen eine Bilanz von Alter, Abschied und dem Weiterleben trotz aller Verzweiflung wird.
Kulturelle Bedeutung
Die Kritik nahm die Uraufführung überwiegend sehr positiv auf und hob vor allem das Zusammenspiel von Galic und Harzer hervor, die den spröden Monolog ohne Handlung bühnenwirksam machten. Rezensenten lasen den Text als heiteres Alterswerk, in dem Handke seine frühe Sprachskepsis hinter sich lässt und das Spiel mit Wörtern als Weg zur Sinnsuche nutzt.