Über das Werk
Sancta ist eine Opernperformance von Florentina Holzinger, uraufgeführt am 30. Mai 2024 am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und anschließend u. a. bei den Wiener Festwochen, an der Staatsoper Stuttgart und an der Volksbühne Berlin gezeigt. Die Choreografin und Performancekünstlerin verbindet darin Paul Hindemiths skandalumwitterten Einakter „Sancta Susanna" (1922) mit einer szenischen Messe und radikaler Live-Performance zu einem feministischen Gesamtkunstwerk über weibliches Begehren, religiöse Disziplinierung und körperliche Selbstbestimmung.
Handlung
Ausgangspunkt ist Hindemiths „Sancta Susanna", in der eine Nonne für ihre erwachende Sexualität bestraft wird. Holzinger weitet den Einakter zu einer szenischen Messe: Geistliche Musik von Bach, Rachmaninow und Gounod, neu arrangiert und um Neukompositionen (u. a. von Johanna Doderer) ergänzt, trifft auf Metal, Noise und die für Holzinger typische, körperlich grenzüberschreitende Performance. Magie, Wunder und Riten der Kirche werden angeeignet, ihr Bezug zu Opfer und Gewalt freigelegt – und der Disziplinierung weiblicher Lust ein lustvoller, befreiender Gegenentwurf entgegengesetzt.
Kulturelle Bedeutung
Sancta wurde zum meistdiskutierten Musiktheaterereignis seiner Saison: Wegen drastischer, teils blutiger Bilder gab es an mehreren Häusern Altersbeschränkungen und Triggerwarnungen, an der Staatsoper Stuttgart kam es zu Zuschauer-Zwischenfällen, die bundesweit Schlagzeilen machten. Als erste Opernregie der gefeierten Performancekünstlerin steht Sancta exemplarisch für die Öffnung des Opernhauses hin zu Performance, Body-Art und feministischer Radikalität.
