Über das Werk
Sancta Susanna ist Paul Hindemiths einaktige Oper nach einem expressionistischen Text August Stramms, komponiert im Winter 1921 in nur wenigen Wochen. Sie bildet mit Mörder, Hoffnung der Frauen und Das Nusch-Nuschi ein lose verbundenes Trio von Einaktern über Formen der Liebe. Die Uraufführung fand am 26. März 1922 am Opernhaus Frankfurt unter Ludwig Rottenberg statt.
Handlung
In einer Klosterkirche wird die Nonne Susanna in einer Mainacht von religiös-erotischen Visionen erfasst, nachdem ihr die Mitschwester Klementia von der Nonne Beata erzählt hat, die Jahrzehnte zuvor aus verzehrender Sehnsucht das Kruzifix küsste und sich vor dem Kreuz entblößte, wofür sie lebend in die Klostermauer eingemauert wurde. Von derselben Sehnsucht ergriffen, wiederholt Susanna Beatas Tat und verlangt am Ende selbst, eingemauert zu werden.
Kulturelle Bedeutung
Die Uraufführung löste einen der größten Theaterskandale der Weimarer Republik aus; katholische Verbände forderten ein Verbot, Dirigent Fritz Busch nannte das Werk obszön. Hindemith selbst sperrte die Oper 1934 und verbot sie 1958 vollständig; erst seit Mitte der 1970er Jahre wird sie wieder aufgeführt.