Über das Werk
Oscar Wilde schrieb den Einakter 1891/92 in Paris und Torquay auf Französisch – seine einzige Originalarbeit in dieser Sprache – und sah die Titelrolle für Sarah Bernhardt vor. Die Uraufführung fand am 11. Februar 1896 in Paris durch Aurélien Lugné-Poes Théâtre de l'Œuvre statt, während Wilde selbst im Gefängnis saß. In Großbritannien verhinderte ein altes Gesetz gegen die Darstellung biblischer Figuren auf der Bühne öffentliche Aufführungen bis 1931.
Handlung
Auf einem Fest des Herodes begehrt die judäische Prinzessin Salome den gefangenen Propheten Jochanaan, der ihre Annäherung zurückweist. Als Herodes ihr für einen Tanz alles verspricht, was sie sich wünscht, fordert Salome seinen Kopf auf einer Silberschale und küsst die abgetrennten Lippen. Entsetzt über ihre Besessenheit lässt Herodes sie am Ende von seinen Soldaten töten.
Kulturelle Bedeutung
Mit ihrer offen erotisierten, machtbewussten Titelfigur wurde Salome zu einem Schlüsseltext der Dekadenzbewegung des Fin de Siècle. Aubrey Beardsleys Illustrationen zur Erstausgabe prägten die Bildsprache der Epoche und sind bis heute mit dem Stoff verbunden. Richard Strauss vertonte den Text 1905 als seine gleichnamige Oper.
