Über das Werk
Phaidras Liebe (im Original Phaedra's Love) ist eine freie Bearbeitung des antiken Phaidra-Stoffs nach Seneca von der britischen Dramatikerin Sarah Kane. Kane schrieb das Stück 1995/96 im Auftrag des Gate Theatre London und inszenierte es dort am 15. Mai 1996 auch selbst – ihr Regiedebüt; die deutsche Fassung stammt von Sabine Hübner.
Handlung
Der träge, von allem gelangweilte Prinz Hippolytos begegnet der Liebe seiner Stiefmutter Phaidra mit Gleichgültigkeit und beiläufigem Sex. Von ihm zurückgewiesen, nimmt sich Phaidra das Leben und beschuldigt ihn zuvor der Vergewaltigung; ein aufgebrachter Mob verurteilt und tötet Hippolytos daraufhin auf grausame Weise. Ausgerechnet im Angesicht seiner Folterung und Hinrichtung empfindet Hippolytos zum ersten Mal echte Gefühle und eine Art Befreiung.
Kulturelle Bedeutung
Kane bezeichnete das Stück selbst als ihre „Komödie“ und verstand es als bewusste Provokation angesichts des Skandals um ihr im Jahr zuvor uraufgeführtes Debüt „Zerbombt“; mit der direkten Darstellung von Gewalt und der Verschiebung des Fokus von Phaidra auf Hippolytos gilt es als eine der schärfsten zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit antiken Stoffen auf der britischen Bühne.