Über das Werk
Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert ist ein Theaterstück von Sivan Ben Yishai, aus dem Englischen übersetzt von Gerhild Steinbuch. Die Uraufführung fand am 13. Januar 2024 am Schauspiel Hannover in der Regie von Marie Bues statt. 2024 wurde Ben Yishai dafür zum zweiten Mal mit dem Mülheimer Dramatikpreis ausgezeichnet.
Handlung
Ausgehend von Henrik Ibsens Klassiker „Nora oder Ein Puppenheim" (1879) unternimmt Ben Yishai einen radikalen Perspektivwechsel: Nicht die emanzipierte Bürgerstochter Nora steht im Zentrum, sondern das Personal, das in Ibsens Drama nur am Rand vorkommt – das Kindermädchen Anne-Marie, das Hausmädchen Helene und ein Paketbote. Diese bislang stummen Figuren ergreifen das Wort, begehren auf, fordern bessere Arbeitsbedingungen und besetzen schließlich das Herrenhaus. Indem sie das „Herrenhaus" kompostiert, legt die Autorin die patriarchalen und klassenbezogenen Machtverhältnisse frei und fragt, ob sich die immergleichen Narrative zu Grabe tragen und neue Erzählungen pflanzen lassen.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück verbindet Klassenfrage und intersektionalen Feminismus mit einer selbstkritischen Reflexion über die Institution Theater. Die Mülheimer Jury würdigte es als „knapp, elegant und treffend" geschriebenen „großen Anklagetext". Sivan Ben Yishai, 1978 in Israel geboren und in Berlin lebend, zählt zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik; mit diesem Text gewann sie den renommierten Preis bereits zum zweiten Mal.
