Über das Werk
Leben des Orest ist eine Großoper in fünf Akten (acht Bildern) von Ernst Krenek nach eigenem, frei nach der antiken Orestie gestaltetem Libretto – sein erstes Textbuch mit antikem Stoff. Krenek komponierte das Werk 1928/29; die Uraufführung dirigierte Gustav Brecher am 19. Januar 1930 am Neuen Theater Leipzig, in der Regie von Walther Brügmann mit Bühnenbildern von Oskar Strnad.
Handlung
Vor seiner geplanten Opferung wird der junge Orest versteckt und wächst fern des Königshauses auf; auf einem Athener Jahrmarkt erlebt er zahlreiche Abenteuer, bevor er nach Mykene zurückkehrt und seinen Vater Agamemnon rächt, indem er Ägisth und seine Mutter Klytämnestra tötet. Von den Furien wegen des Muttermords gehetzt, flieht Orest ins „Nordland“ und findet dort seine Schwester Iphigenie wieder; erst ein Gericht spricht ihn am Ende vom Fluch frei.
Kulturelle Bedeutung
Krenek verbindet den antiken Mythos mit tonalem Idiom, Wiener Vorstadtmusik und Jazzanklängen zu einer bewusst offenen, unabgeschlossenen Form. Das Werk erlebte bis zur Bühnenverbannung durch die Nationalsozialisten 1933 dreizehn Inszenierungen und gilt seither als Dokument der Musiktheaterkultur am Ende der Weimarer Republik; nach dem Krieg kehrte es 1947 in Linz auf die Bühne zurück.