Über das Werk
Le Grand Macabre ist die einzige vollendete Oper von György Ligeti und gilt als eines der bedeutendsten Musiktheaterwerke der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ligeti komponierte das Werk zwischen 1974 und 1977; die Uraufführung fand am 12. April 1978 an der Königlichen Oper Stockholm statt. Das Libretto verfassten der Komponist und der schwedische Regisseur Michael Meschke nach dem Schauspiel „La balade du grand macabre" (1934) des belgischen Dramatikers Michel de Ghelderode. 1996 schuf Ligeti eine straffere, durchrevidierte Fassung, die heute meist gespielt wird. Schauplatz ist das groteske Fantasieland Breughelland, dessen Name auf die wimmelnden Karnevals- und Höllenbilder Pieter Bruegels anspielt. Ligetis Partitur ist ein bewusst eklektisches Spektakel: Sie collagiert Anklänge an Monteverdi, Rossini und Offenbach, parodiert Opernkonventionen und eröffnet mit einer berühmten Ouvertüre für gestimmte Autohupen. Zwischen Mysterienspiel, Satire und schwarzer Komödie changierend, entzieht sich das Werk jeder eindeutigen Gattungszuordnung.
Handlung
Der Astrologe Astradamors und seine herrschsüchtige Frau Mescalina, das Liebespaar Amando und Amanda, der trunksüchtige Piet vom Fass und der infantile Fürst Go-Go bevölkern Breughelland. Aus einem Grab erhebt sich Nekrotzar, der „große Makabre", und kündigt das bevorstehende Ende der Welt an: Ein Komet werde noch in dieser Nacht alles Leben auslöschen. Mit Piet als Reittier und Gehilfen zieht Nekrotzar los, um sein apokalyptisches Werk zu vollenden, doch er lässt sich beim Festmahl des Fürsten betrunken machen. Als die prophezeite Stunde schlägt, geschieht – fast nichts: Die Welt geht nicht unter, oder sie ist bereits untergegangen, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Nekrotzar schrumpft in sich zusammen, und die Überlebenden ziehen die Lehre, den Tod nicht zu fürchten, sondern das Leben zu genießen, solange es währt.
Kulturelle Bedeutung
Le Grand Macabre markiert Ligetis Abkehr von der statischen Klangflächenkomposition seiner berühmten Orchesterwerke hin zu einem grellen, theatralischen Stil voller Zitate und Übertreibung. Die hochvirtuose Partie der Geheimpolizei-Chefin Gepopo mit ihren halsbrecherischen Koloraturen zählt zu den gefürchtetsten Sopranpartien des modernen Repertoires. Nach seiner Uraufführung weltweit nachgespielt, ist das Werk Ligetis einziger Beitrag zur Operngattung geblieben – ein Schlüsselwerk, das die Frage nach Sinn und Sinnlosigkeit der Apokalypse mit grotesker Heiterkeit beantwortet.
